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Fahrerflucht

- Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

Faherflucht, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (auch Unfallflucht), ist ein Straftatbestand und fällt in den Bereich der Verkehrsdelikte. Bei Fahrerflucht drohen in der Regel empfindliche Konsequenzen. Für Personen, die beruflich auf ihre Fahrerlaubnis angewiesen sind, können die Sanktionen existenzbedrohend sein.

Sofern Ihnen Fahrerflucht vorgeworfen wird oder bereits ein Strafverfahren gegen Sie läuft und Sie einen Verteidiger suchen, rufen Sie mich bitte unter 030 / 70081147 an und wir vereinbaren kurzfristig einen Termin für eine Beratung.

Die Fahrerflucht ist in § 142 StGB geregelt.

Ein Unfall ist ein plötzliches Ereignis im Verkehr, das von mindestens einem Beteiligten ungewollt ist. Das Ereignis muss mit den Gefahren des Straßenverkehrs in ursächlichem Zusammenhang stehen, bei dem ein nicht ganz unerheblicher Personen - oder Sachschaden (weniger als 40 bis 50 €) entsteht.

Unfallbeteiligter ist jeder, dessen Verhalten nach den Umständen zur Verursachung des Unfalls beigetragen haben kann. Es ist dabei nicht erforderlich, dass der Betreffende selbst schuldhaft gehandelt hat (z.B. beim Auffahrunfall).

Sofern jedoch der Unfall nur als Zeuge wahrgenommen wurde, ist man kein Unfallbeteiligter. In diesem Fall kann man den Unfallort vor dem Eintreffen der Polizei verlassen.

Fahrerflucht liegt vor, wenn ein Unfallbeteiligter sich nach einem Unfall im Straßenverkehr vom Unfallort entfernt, bevor er

  1. zugunsten der anderen Unfallbeteiligten und der Geschädigten die Feststellung seiner Person, seines Fahrzeugs und der Art seiner Beteiligung durch seine Anwesenheit und durch die Angabe, daß er an dem Unfall beteiligt ist, ermöglicht hat oder
  2. eine nach den Umständen angemessene Zeit gewartet hat, ohne daß jemand bereit war, die Feststellungen zu treffen, oder
  3. nach Ablauf der Wartefrist oder berechtigt oder entschuldigt vom Unfallort entfernt hat und die Feststellungen nicht unverzüglich nachträglich ermöglicht.

Der Verpflichtung, die Feststellungen nachträglich zu ermöglichen, genügt der Unfallbeteiligte, wenn er den Berechtigten oder einer nahe gelegenen Polizeidienststelle mitteilt, daß er an dem Unfall beteiligt gewesen ist, und wenn er seine Anschrift, seinen Aufenthalt sowie das Kennzeichen und den Standort seines Fahrzeugs angibt und dieses zu unverzüglichen Feststellungen für eine ihm zumutbare Zeit zur Verfügung hält.

Das Gericht kann die Strafe mildern oder von dieser absehen, wenn der Unfallbeteiligte innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach einem Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs, der ausschließlich nicht bedeutenden Sachschaden (ca. 1.300,- € Schaden) zur Folge hat, freiwillig die Feststellungen nachträglich ermöglicht.

Strafrechtliche Folgen der Fahrerflucht
1. Nach § 142 StGB ergibt sich für Fahrerflucht folgender Strafrahmen:

  • Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
  • Geldstrafe

2. Daneben droht zudem

  • die Entziehung der Fahrerlaubnis

In der Regel wird die Fahrerlaubnis entzogen (§ 69 StGB), wenn der Täter weiß oder wissen kann, dass bei einem Unfall ein Mensch getötet oder nicht nur unerheblich verletzt worden oder an Sachen bedeutender Schaden (ca. 1.300,- €) entstanden ist.

Die Entziehung der Fahrerlaubnis wird erst mit Rechtskraft des Urteils wirksam. Über § 111 a StPO besteht aber für das Gericht die Möglichkeit, bereits vorläufig dem Beschuldigten die Fahrerlaubnis zu entziehen, wenn dringende Gründe vorhanden sind, dass die Fahrerlaubnis gemäß § 69 StGB entzogen werden wird. In der Regel beschlagnahmt die Polizei den Führerschein (§ 94 StPO) und die Staatsanwaltschaft beantragt dann die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis.

3. Als weitere Kosequenz droht die

  • die Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis

Die Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis (§ 69a StGB) wird für die Dauer von sechs Monaten bis zu fünf Jahren ausgesprochen.

4. Aber selbst wenn die Voraussetzungen des § 69 StGB nicht vorliegen, droht im Falle der Fahrerflucht als Nebenstrafe

  • ein Fahrverbot

Ein Fahrverbot (§ 44 StGB) kann verhängt werden, wenn das Gericht jemanden wegen Fahrerflucht zu einer Freiheitsstrafe oder Geldstrafe verurteilt hat. Das Fahrverbot wird für die Dauer von drei bis sechs Monaten verhängt. Es wird mit der Rechtskraft des Urteils wirksam. Die Frist beginnt dann aber erst, sobald der Führerschein in amtliche Verwahrung genommen wurde.

Folgen über die Haftpflichtversicherung
Sollte Fahrerflucht vorliegen, ist die Haftpflichtversicherung im Verhältnis zwischen Versicherung und Versicherten (Innenverhältnis) von der Leistung frei. Die Haftpflichtversicherung reguliert den Schadensersatz zwar zunächst im Außenverhältnis zu Gunsten des Geschädigten. Im Innenverhältnis wird sie aber Rückgriff (Regress) beim Versicherten nehmen. Der Versicherte muss den ausbezahlten Schadensersatz an die Haftpflichtversicherung zurückzahlen.